Wir trauern um unseren Beirat Ludwig A. Minelli
Am 29. November 2025 verstarb unser geschätztes Gründungs- und Beiratsmitglied Ludwig A. Minelli. Wir trauern um einen Menschen, der sich wie kaum ein anderer für Selbstbestimmung im Leben wie im Sterben eingesetzt hat. Er wird uns als engagierter Menschenrechtler und als Mensch von großer Klarheit und Herzlichkeit in Erinnerung bleiben – und sehr fehlen.
Ludwig A. Minelli wurde am 5. Dezember 1932 in Zürich geboren und entwickelte schon früh ein ausgeprägtes Interesse für gesellschaftliche Fragen und öffentliche Debatten. Als junger Mann arbeitete er zunächst als Journalist für verschiedene Schweizer und internationale Medien, darunter auch das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Mit 44 Jahren begann er ein Jurastudium an der Universität Zürich, das er 1981 erfolgreich abschloss. Als Rechtsanwalt spezialisierte er sich auf Menschenrechtsfragen und erzielte in diesem Bereich früh beachtliche Erfolge: Mehrere von ihm betreute Verfahren führten zu Grundsatzurteilen, die unter anderem die Rechte und Lebensbedingungen von Strafgefangenen verbesserten und bis heute in der Schweizer Rechtsprechung nachwirken.
Sein Engagement für rechtsstaatliche Prinzipien führte 1978 zur Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention (SGEMKO), mit der er die Bedeutung menschenrechtlicher Standards in der Schweiz stärken wollte. Bekannt wurde Minelli jedoch vor allem durch seine lebenslange Arbeit für das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende. 1998 gründete er den Verein »DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben«. Unter seiner Leitung entwickelte sich DIGNITAS zu einer international beachteten Organisation, die nicht nur Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch schwer kranken Menschen aus dem Ausland ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Sterben ermöglichte. Minelli setzte sich entschieden für das Recht jedes Menschen auf Sterbehilfe ein und prägte mit seiner ruhigen, juristisch fundierten Art die internationale Diskussion zu diesem Thema.
Auch im hohen Alter blieb er aktiv, publizierte, beriet, unterstützte das ifw auf vielfältige Weise und setzte seine Arbeit mit unverminderter Energie fort. Am 29. November 2025, wenige Tage vor seinem 93. Geburtstag, wählte Minelli selbstbestimmt eine von DIGNITAS begleitete Freitodbegleitung. Ludwig A. Minelli hat die Debatte über Autonomie, Würde und das Recht auf Selbstbestimmung weltweit geprägt und für viele Menschen konkrete Hilfe in schwerster Lage möglich gemacht.
Ein ausführlicher, persönlicher Nachruf unseres Direktoriumsmitglieds und gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon wurde auf der Webseite der Giordano-Bruno-Stiftung veröffentlicht.
Ludwig A. Minelli wird uns als kluger, kreativer und entschlossener Vorkämpfer für Selbstbestimmung und als verlässlicher politischer Weggefährte sehr fehlen. Sein Rat hat uns viel bedeutet.