Konfessionsfreie

I. Begriff und Statgggistik

1. Gemeint sind mit den Konfessionsfreien, in Statistiken meist "Konfessionslose" genannt, Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Der unscharfe Begriff erfasst Menschen recht unterschiedlichen Denkens. Die statistische Entwicklung der Konfessionsfreien ist aber aussagekräftig. Inhaltlich ähnlich ist der früher mehr gebräuchliche Begriff Dissident, der aber generell Menschen erfasst, die in politischer, religiöser oder weltanschaulicher Hinsicht von der Mehrheitsrichtung abweichen.

2. Nach 1945 haben sich die Zahlen in der Bundesrepublik wie folgt entwickelt (in Prozent).

a) Religionszugehörigkeit 1950: Evangelisch 50,6; röm.-katholisch 45,8; Sonstige 3,5.

b) Religionszugehörigkeit 1987 (Volkszählung): Evangelisch 41,6; röm.-katholisch 42,9; islamisch 2,7; Sonstige 1,4; Konfessionslose 11,4.

c) Religionszugehörigkeit 1990 (vereintes Deutschland): Evangelisch 36,9; röm.-katholisch 35,4; islamisch 3,7; Sonstige 1,6; Konfessionslose 22,4.

d) Religionszugehörigkeit 2003: Evangelisch 31,3; röm.-katholisch 31,3; islamisch 3,9; Sonstige 1,7; Konfessionslose 31,8.

e) Religionszugehörigkeit 2015: Evangelisch 27,1; röm.-kath. 28,9; islamisch 4,4; Sonstige (einschließlich orthodox, ev.-freikirchlich und jüdisch) 3,6; Konfessigggonsfreie 36,0.

3. Diese von fowid genannten Zahlen basieren auf Angaben des Statistischen Bundesamts und Angaben der Kath. Bischofskonferenz bzw. des Kirchenamts der EKD, die teilweise berichtigt wurden (erhöhte Zahlenangaben durch Doppelzählungen). "Sonstige" bedeutet, dass keine Zugehörigkeit zu einer der jeweils anderen Gruppen besteht. Dazu gehören die zahlreichen insbesondere kleinen christlichen Gemeinschaften außerhalb der großen Kirchen. Die Zahl der Konfessionslosen ist nach den obigen Zahlen von geschätzt gut 2% (Bestandteil der Rubrik "Sonstige") auf nicht weniger als zuletzt 36% gestiegen. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass bisher der Islaminfo-icon statistisch pauschal als Kulturgemeinschaft aufgefasst wird, obwohl nur ein kleiner Teil der Kultur-Muslime (einschließlich der eigenständigen Religionsgruppe der Aleviten) organisiert ist und ein nicht geringer Teil von ihnen den Glauben nicht praktiziert (s. näher Islaminfo-icon). Die Zahl der Konfessionsfreien wäre noch wesentlich höher, wenn man den statistisch nachweislich hohen Prozentsatz derjenigen Formalprotestanten und Formalkatholiken hinzurechnen würde, der sich nicht religiös definiert (s. Statistikinfo-icon). All das hat in der politisch-rechtlichen Wirklichkeit bisher keinerlei erkennbare Rolle gespielt.

II. Begriffliche Defizite

1. Die statistischen Begriffe der Konfessionsfreien bzw. "Konfessionslosen" und der Sonstigen bedürften noch näherer Aufschlüsselung, zumal der Begriff der Zugehörigkeit mangels genau definierbarer bzw. fehlender Mitgliedschaft unsicher erscheint. Bedenkt man, dass die Kommission der Orthodoxen Kirche 2006 über 1 Mill. Mitglieder angibt (d. h. ohne die altorientalisch-orthodoxen Kirchen) und manche christliche Gemeinschaften doch relativ mitgliederstark sind (Neuapostolische Kirche, puritanische Aussiedler, Zeugen Jehovas), so könnte eine Überprüfung ergeben, dass die Gruppe der Sonstigen etwas größer und die der Konfessionsfreien entsprechend kleiner ist. An den Gesamtdimensionen würde sich nichts ändern. Zu den Konfessionsfreien sind auch die nicht organisierten Esoteriker zu rechnen, sofern sie nicht z. B. einer der Kirchen angehören. Das erforschungsbedürftige Gros der Konfessionsfreien betrifft Nichtreligiöse aller Art.

2. Die Terminologie ist bei bewusst "Konfessionsfreien" bzw. "Konfessionslosen" (im Gegensatz zur wohl großen Gruppe der Indifferenten) umstritten, nämlich vor allem den weltlichen Humanisten mit ihrem nur geringen Organisationsgrad. Vielfach wird der als negativ empfundene (statistisch übliche) Begriff "konfessionslos" durch "konfessionsfrei" ersetzt. Das berücksichtigt aber ebenfalls nicht, dass die Humanisten eigene positive weltanschauliche Grundüberzeugungen haben, die konsistent sind und sehr weitgehend übereinstimmen, also eine eigene "Konfession" darstellen. Der Anteil derjenigen Konfessionsfreien, die einen solchen weltlichen Humanismusinfo-icon pflegen, an deren Gesamtzahl ist aber noch nicht ausreichend erforscht. Er scheint aber nach neueren Untersuchungen beachtlich zu sein (s. Humanismusinfo-icon).

>> Humanismusinfo-icon; Statistikinfo-icon; Weltanschauungsgemeinschafteninfo-icon.

Quelle Datenangaben:

© Gerhard Czermak / ifw (2017)