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Rezension zu Groschopp: Von der Freidenkerei zur Volksbildung

von Hartmut Kreß

In den letzten Jahren sind eine ganze Reihe von Publikationen erschienen, die eine gravierende Forschungslücke ausfüllen, indem sie geistesgeschichtlich den modernen Humanismus erschließen. Nun ist eine Spezialuntersuchung mit dem Titel "Von der Freidenkerei zur Volksbildung" hinzugekommen. Sie berichtet über die Impulse, die drei Jahrzehnte lang vom Neuen Frankfurter Verlag ausgingen. Der Verlag wurde im Jahr 1900 gegründet und 1936 vom NS-Staat aufgelöst. 

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Rezension zu Isemeyer (Hg.): Wofür es sich zu streiten lohnt: Humanismus

von Hartmut Kreß

Im Jahr 2025 ist im Auftrag des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg aus besonderem Anlass ein interessantes Buch herausgegeben worden: Vor 120 Jahren wurde der Vorläufer des Humanistischen Verbands gegründet, der Berliner Verein der Freidenker für Feuerbestattung. Das Buch widmet sich drei Schwerpunkten. In 15 Aufsätzen behandelt es die in die Antike zurückreichenden historischen Hintergründe von Humanismus und Freidenkertum, die Entstehung der humanistischen Bewegungen in Berlin im 19. Jahrhundert sowie ihre Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert – mit Ausblicken auf aktuelle Fragen und Herausforderungen. 

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Religion und Weltanschauung in öffentlichen Gremien – Gilt das Neutralitätsgebot auch für Nichtgläubige?

von Gerhard Czermak

Thorben Kösters hat sich in seiner Münsteraner verfassungsrechtlichen Dissertation von 2023 dieses bisher leider vernachlässigten Themas angenommen: eine grundsätzlich verdienstvolle Angelegenheit. Die Frage der Zulässigkeit, insbesondere des Ausmaßes der Integrierung von Religion und nichtreligiöser Weltanschauung in staatlich-öffentliche Gremien ist immer noch und gerade angesichts der heutigen religionssoziologisch-gesellschaftlichen Situation sogar besonders bedeutsam. Der sehr umfangreiche Band enthält eine weitgehende Vollständigkeit anstrebende Zusammenstellung von Gremien auf Bundes- und Landes-, nicht aber auch der kaum erforschbaren kommunalen Ebene.

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Rezension zu Meier: Der Papst der Enttäuschungen

von Hartmut Kreß

Über das Pontifikat des derzeitigen Papstes Franziskus herrscht zunehmend Ernüchterung. Die hohen Erwartungen, der Papst bringe in der katholischen Kirche Änderungen in Gang, sind immer wieder schwer enttäuscht worden. Das vorliegende Buch enthält eine treffsichere Analyse, die aufzeigt, dass und warum der Papst an einer substanziellen Reform der katholischen Kirche nicht interessiert ist. Zugleich wird deutlich, wie fern er modernem westlichem aufgeklärtem Denken steht.

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Rezension zu Groschopp / Müller: Aus der Ethik eine Religion machen

von Hartmut Kreß

Seit Langem fehlt eine umfassende Darstellung über die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur (DGEK), die in den 1890er Jahren gegründet worden ist. In ihrer Gründung spiegelt sich nicht nur der Aufstieg der Ethik zu einer Leitdisziplin der modernen Gesellschaft. Vielmehr stellt die DGEK einen wichtigen Baustein der Geistesgeschichte des Humanismus und säkularer Bewegungen dar. Bislang lagen zu dieser Organisation nur kürzere Beiträge vor, z.B. aus der Feder des Philosophiehistorikers Klaus Christian Köhnke. Die beiden Verfasser des hier zu besprechenden Bandes, der Kulturwissenschaftler und frühere Präsident des Humanistischen Verbands Deutschland Horst Groschopp sowie der Historiker Eckhard Müller, haben zur Geschichte der DGEK aufwändig recherchiert und zahlreiche Archivmaterialien ausgewertet. Auf dieser Basis haben sie ein gründliches, sehr informatives Buch geschrieben.

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Religionsverfassungsrecht konservativ-affirmativ - Zur Neuauflage eines juristischen Lehrbuchs

von ifw

Nach sechzehn Jahren ist die Neuauflage des seit Jahrzehnten etablierten und lange einzigen Lehrbuchs des Staatskirchenrechts von Axel v. Campenhausen erschienen. Die jetzige 5. Auflage hat erstmals den Haupttitel Religionsverfassungsrecht und ist diesmal vollständig von Heinrich de Wall, Inhaber des Lehrstuhls für Kirchen-, Staats- und Verwaltungsrecht in Erlangen-Nürnberg überarbeitet worden. Mittlerweile gibt es drei weitere vergleichbare einschlägige Lehrbücher mit den Titeln Religionsrecht (C. D. Classen), Religions- und Weltanschauungsrecht (G. Czermak; alternatives Lehrbuch) und Religionsverfassungsrecht (P. Unruh). Daher durfte man die Neuauflage des v. Campenhausen/de Wall interessiert erwarten.

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Kopftuchdebatte, Neutralitätsgebot, Glaubensfreiheit und kein Ende

von Gerhard Czermak

Die Frage der Zulässigkeit des dienstlichen Tragens islamischer Kopftücher durch Lehrerinnen an öffentlichen Schulen mag manchem schon zum Hals heraushängen, stehen diese und ähnliche Fragen doch mindestens seit etwa 2000 immer wieder im Zentrum öffentlicher und juristischer Debatten. Die kontroversen Erregungen waren besonders nach der einschlägigen Entscheidung des 2. Senats des BVerfG von 2003 und der fast entgegengesetzten des 1. Senats von 2015 groß, manchmal sogar fanatisch. Die juristische und nichtjuristische Spezialliteratur ist nur schwer überschaubar. Das bisherige Berliner Neutralitätsgesetz betreffend Lehrer und allgemein Beamte ist nach einem rechtskräftigen Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2020 schwer angeschlagen und soll mit dem neuen CDU/SPD-Senat stark modifiziert werden. Eine neutralitätsfreundlichere Position hat demgegenüber der Europäische Gerichtshof für das private Recht vertreten. Ungelöste Probleme hat das 2021 verabschiedete Bundesgesetz zur Regelung des Erscheinungsbilds von Beamtinnen und Beamten erneut aufgeworfen.

In dieser Situation ist eine zusammenfassende Untersuchung von Nutzen, geht es doch um die Kollision von Neutralität und Glaubensfreiheit und ihre gegenseitige Gewichtung. Das stößt in den Kern der Neutralitätsdiskussion und damit des Religionsverfassungsrechts. Die Untersuchung Wolfgang Heckers befasst sich gleichermaßen mit juristischen wie nichtjuristischen Fragen.

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Rezension zu Michael Kühnlein (Hrsg.): Gottloser Staat? Im interdisziplinären Gespräch mit Horst Dreier

von Gerhard Czermak

Kühnlein hat einen besonders für Juristen interessanten Sammelband vorgelegt, der insgesamt eine Hommage für den Würzburger Staatsrechtler Horst Dreier darstellt. Anlass war das breit rezipierte Buch Dreiers "Staat ohne Gott. Religion in der säkularen Moderne", das 2018 erschienen ist. Es hat große Aufmerksamkeit und zu Recht viel Zuspruch gefunden.

Kühnlein hat nun den geglückten Versuch unternommen, auch viele prominente Autoren vor allem aus Jurisprudenz und Theologie zu Stellungnahmen zu veranlassen und dabei auch Dreier gebührend zu Wort kommen zu lassen. Dreier erfährt in dem Band viel Zustimmung. Aber gerade auch die seltene Kritik bietet interessante Hinweise für die Notwendigkeit, ein zutreffendes Verständnis für die Forderung nach verfassungsgemäßem Verhalten aller staatlichen Organe gegenüber religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen zu vermitteln. Fragen der Neutralitätsproblematik bilden auch in diesem Buch den Hauptschwerpunkt.

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Rezension zu Norbert Lüdecke: Die Täuschung

von Hartmut Kreß

Das Buch "Die Täuschung", verfasst von dem katholischen Kirchenrechtler Norbert Lüdecke, befasst sich ebenso kritisch wie kompetent mit den inneren Strukturen und mit der zwiespältigen Reformbereitschaft in der katholischen Kirche. Die kirchenkritische Intention wird bereits durch den Buchtitel signalisiert. In Presse und Medien ist das Buch breit aufgegriffen worden. Es hält die katholische Kirche strukturell für praktisch reformunfähig.

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Rezension zu Dietrich Pirson u.a. (Hg.): Handbuch des Staatskirchenrechts der BRD

von Gerhard Czermak

Nach gut 25 Jahren ist jetzt (2021) eine Neuauflage des vielzitierten Handbuchs erschienen. Die von Joseph Listl und Dietrich Pirson herausgegebene zweibändige Zweitauflage hatte schon eindrucksvolle 2387 Seiten. Daraus sind jetzt unter der Herausgeberschaft von Dietrich Pirson, Wolfgang Rüfner, Michael Germann und Stefan Muckel nicht weniger als 3417 S. geworden.

Man kann sich dem monumentalen Eindruck dieses Werks nicht entziehen. Beteiligt haben sich an ihm 73 Autoren mit 79 Paragraphen. Mindestens 20 der Verfasser sind bzw. waren Mitarbeiter einer der beiden großen Kirchen. Die meisten Autoren sind aus der religionsverfassungsrechtlichen bzw. staatskirchenrechtlichen Literatur bekannt.

Schon wegen der ziemlichen Vollständigkeit der behandelten Themen und der großen Informationsfülle mit oft sehr umfangreichen Anmerkungsapparaten ist das Werk für eine häufigere Befassung mit dem Religionsrecht nicht nur sehr nützlich, sondern nur schwer entbehrlich.

Inhaltlich fällt auf, dass zwar stets die gleiche Berechtigung von Religion und Weltanschauung und der dazugehörigen Gemeinschaften verbal gefordert, ihre Einhaltung aber kaum je konkret geprüft wird. Ungeachtet dieser Kritik ist das Handbuch auch aus säkular-juristischer Sicht recht nützlich. 

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